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„Systemische Antigewalttrainer*innen“ in sozialpädagogischen Fanprojekten in NRW als Antwort auf populistischen Diskurs

Wer aktuell die mediale Berichterstattung zum Thema Gewalt im Fußball verfolgt, gewinnt schnell den Eindruck, deutsche Stadien befänden sich in einer permanenten Sicherheitskrise. Einzelne Vorfälle werden aufgegriffen, emotional aufgeladen und nicht selten als Beleg für ein grundsätzliches Versagen der Fankultur interpretiert. Diese Debatte wird zunehmend von populistischen Forderungen nach mehr Repression, mehr Verboten und härteren Maßnahmen geprägt. Dass Gewalt im Fußball existiert, steht außer Frage. Sie ist kein neues Phänomen, sondern begleitet den Fußball seit Jahrzehnten und ist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen, Gruppendynamiken und traditionellen Männlichkeitsbildern verknüpft. Gerade deshalb braucht es eine sachliche, differenzierte und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Glücklicherweise ist Gewalt in und um Fußballstadien rückläufig, selbst die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) weist in ihrem aktuellen Jahresbericht darauf hin, dass die Stadien in Deutschland sichere Orte sind. Wer dennoch vor allem über Verbote, Sanktionen und Abschreckung spricht, wer ganze Fankurven permanent mit Störern und Starftätern gleichsetzt, verkennt die Realität und riskiert, bestehende Fronten weiter zu verhärten. Möglicherweise ist die Polaisierung auch Teil der politischen Debattenkultur. Repression alleine hat noch nie nachhaltige Prävention ersetzt.

Genau aus diesem Grund existieren in Nordrhein-Westfalen seit mittlerweile fast vierzig Jahren sozialpädagogische Fanprojekte. Sie analysieren Gewaltphänomene, begleiten junge Menschen, schaffen Dialogräume und entwickeln gemeinsam mit den Beteiligten tragfähige Präventionsansätze. Gewalt wird dabei weder relativiert noch akzeptiert. Vielmehr geht es darum zu verstehen, welche Faktoren gewalttätiges Verhalten begünstigen, welche Dynamiken dahinterstehen und welche Unterstützungs- und Interventionsbedarfe bestehen. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf Täter oder Betroffene, sondern auch auf die Fachkräfte der Fanprojekte und die Netzwerke, in denen sie arbeiten.

Als Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW verstehen wir es als unseren Auftrag, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aufzugreifen und in die Praxis zu übersetzen. Während Teile der politischen Debatte vor allem auf Verschärfung, Kontrolle und Ausgrenzung setzen, investieren wir in Qualifizierung, Prävention und professionelle Handlungskompetenz. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Sydema Institut von Andreas Sandvoß eine Langzeitfortbildung zum*zur zertifizierten Systemischen Antigewalttrainer*in auf den Weg gebracht.

Mit insgesamt 14 Teilnehmenden aus den nordrhein-westfälischen Fanprojekten ist die Fortbildung nun in Münster gestartet. Die hohe Beteiligung macht deutlich, dass die Fanprojekte in NRW bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zur Gewaltprävention weiter auszubauen. Die überjährige Weiterbildung erweitert die Handlungsmöglichkeiten unserer Fachkräfte in den Bereichen Gewaltprävention, Gewaltdistanzierung und Konfliktbearbeitung und stärkt zugleich den professionellen Blick auf die Perspektiven von Betroffenen, Täter*(innen) und den verschiedenen Akteur*innen im Netzwerk.

Deshalb setzen die Fanprojekte in NRW auf Dialog statt Eskalation, auf Beziehung statt Ausgrenzung und auf professionelle Präventionsarbeit statt symbolpolitischer Forderungen. Das ist seit Jahrzehnten eine Kernkompetenz der sozialpädagogischen Fanprojektarbeit und bleibt auch in Zukunft unser Beitrag für einen sicheren, demokratischen und konfliktfähigen Fußball.

Der Start der Fortbildungsreihe in Münster ist hierfür ein weiterer wichtiger Baustein. Über die Inhalte, Erfahrungen und Entwicklungen werden wir in den kommenden Monaten regelmäßig berichten.


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