Aktuelles

Das 10. Fancamp NRW liegt hinter uns und einmal mehr blicken wir auf fünf rundum gelungene Tage in den Niederlanden zurück. Gemeinsam mit knapp 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus neun angeschlossenen Fanprojektstandorten verbrachten wir eine abwechslungsreiche Woche im Dijke Haus des CVJM Oberhausen in Scharendijke. Das Wetter zeigte sich dabei von seiner besten Seite und sorgte dafür, dass wir sämtliche Mahlzeiten unter freiem Himmel genießen konnten. Dass dabei auch die ein oder andere Kugel Eis den Weg in hungrige Mägen fand, versteht sich bei sommerlichen Temperaturen fast von selbst.
Das Programm war so vielfältig wie die Gruppe selbst. Strandbesuche, Fußball, Tischtennis und Kicker gehörten ebenso dazu wie ein Graffiti-Workshop, eine Schnitzeljagd, gemeinsames Kochen oder entspannte Abende am Lagerfeuer mit Stockbrot und einer ausgiebigen Runde „Werwolf“. Gemeinsam besuchten wir außerdem die Kirmes in Renesse, genossen die Sonnenuntergänge am Strand, verbrachten viel Zeit mit Gesprächen, Sport und Lachen. Eben all das, was einen gelungenen Ferienaufenthalt ausmacht.
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Wer aktuell die mediale Berichterstattung zum Thema Gewalt im Fußball verfolgt, gewinnt schnell den Eindruck, deutsche Stadien befänden sich in einer permanenten Sicherheitskrise. Einzelne Vorfälle werden aufgegriffen, emotional aufgeladen und nicht selten als Beleg für ein grundsätzliches Versagen der Fankultur interpretiert. Diese Debatte wird zunehmend von populistischen Forderungen nach mehr Repression, mehr Verboten und härteren Maßnahmen geprägt. Dass Gewalt im Fußball existiert, steht außer Frage. Sie ist kein neues Phänomen, sondern begleitet den Fußball seit Jahrzehnten und ist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen, Gruppendynamiken und traditionellen Männlichkeitsbildern verknüpft. Gerade deshalb braucht es eine sachliche, differenzierte und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Glücklicherweise ist Gewalt in und um Fußballstadien rückläufig, selbst die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) weist in ihrem aktuellen Jahresbericht darauf hin, dass die Stadien in Deutschland sichere Orte sind. Wer dennoch vor allem über Verbote, Sanktionen und Abschreckung spricht, wer ganze Fankurven permanent mit Störern und Starftätern gleichsetzt, verkennt die Realität und riskiert, bestehende Fronten weiter zu verhärten. Möglicherweise ist die Polaisierung auch Teil der politischen Debattenkultur. Repression alleine hat noch nie nachhaltige Prävention ersetzt. (mehr …)

Fußball gilt als Triebfeder gesellschaftlicher Integration. Allerdings gehören auch Probleme wie Ausgrenzung zu seiner Realität. Diskriminierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind Alltag – auf dem Platz, am Spielfeldrand, in der Fankurve, im Vereinsheim oder online. Dennoch wird dieses Phänomen häufig verharmlost oder ignoriert, nicht selten überlagert vom Narrativ einer „integrativen Kraft“ des Sports. Der Autor setzt sich kritisch mit dieser Diskrepanz auseinander und arbeitet heraus, wie tief verankert Ausschlussmechanismen im Fußball sind. Er sensibilisiert für einzelne Diskriminierungsformen, hinterfragt routinierte Verständnisse und liefert alltagstaugliche Anstöße für Veränderung. Ein unverzichtbares Werk für alle, die Ausgrenzung entgegentreten und für mehr Gerechtigkeit in der Fußballkultur sorgen wollen.
Der Autor
Dr. David Johannes Berchem ist Projektleiter bei der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in Nordrhein-Westfalen (MeDiF-NRW) bei der LAG Fanprojekte NRW und lehrt an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.
Prädikat: Unbedingte Kaufempfehlung!
Inhaltsverzeichnis
Leseprobe

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Fanprojekte NRW ist die berufspolitische Interessenvertretung der 16 sozialpädagogischen Fanprojekte im Sportland NRW und wirkt seit Jahren als verbindendes Element zwischen Fanprojekten, Vereinen, Verbänden, kommunalen Trägern, Sicherheitsbehörden und Politik sowie den Bedarfen von Fans. Auf Grundlage eines anerkannten fachlichen Profils (hinterlegt im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit) erbringen Fanprojekte Leistungen der Jugendhilfe (SGB VIII): Gewalt- und Extremismus-Prävention sind zwei zentrale Säulen, Bildungsarbeit, Vermittlung bei Konflikten sowie viele weitere methodische Angebote tragen nachhaltig zu einem sicheren Stadionerlebnis für junge Menschen und die gesamte Fußballfamilie bei.
Unrühmlicher Start der Debatte
Besonders irritiert hat die öffentliche Kritik des sächsischen Innenministers Armin Schuster an der Fanprojektarbeit. Dieser formulierte im Rahmen der Innenministerkonferenz im Oktober 2024 öffentlich die Frage, „Sind unsere Fanprojekte … eigentlich zielsicher angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, die wir haben? Da haben wir … gewisse Zweifel, ob die noch à jour sind.“ [1] Gleichzeitig sprach er sich für eine förmliche Wirksamkeitsanalyse aus. [2] Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat zu Recht darauf hingewiesen, dass diese Behauptungen ignorieren, dass Fanprojekte seit vielen Jahren regelmäßig evaluiert werden und die Wirksamkeit der sozialpädagogischen Arbeit längst bestätigt ist.[3] (mehr …)

Zum zehnten Mal laden die sozialpädagogischen Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Fachstelle der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) herzlich zu den landesweiten Fußballkulturtagen NRW ein. Die Veranstaltungsreihe hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Fußball- und Kulturlandschaft entwickelt und zeigt eindrucksvoll: Fußball ist weit mehr als 90 Minuten auf dem Platz.
Die Fußballkulturtage NRW eröffnen Räume für Begegnung, Austausch und Bildung. Im Mittelpunkt stehen Themen, die im medialen Alltag des Fußballs häufig unterrepräsentiert bleiben – und die dennoch für Fans, Interessierte und die gesamte Gesellschaft von Bedeutung sind.
Das Programm ist so vielseitig wie der Fußball selbst. So lädt am 5. Oktober das Kinderkino im Metropolis Bochum mit dem Film „Zu weit weg – aber Freunde für immer“ junge und junggebliebene Besucher*innen ein. Am 6. Oktober stehen gleich zwei besondere Veranstaltungen auf dem Plan: Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah und andere Gäste sprechen in der Rotunde in Bochum über das Thema „Kritische Männlichkeit“, während zeitgleich in Gelsenkirchen die Ausstellung „Shout it out loud – Fußball & Musik“ mit einem tollem Begleitprogramm eröffnet wird. Am 19. Oktober folgt im Kunstbunker Bochum die Vernissage der Wanderausstellung „Stabil bleiben – gegen Diskriminierung im Fußball“, bevor am 20. Oktober das Theaterstück „Mein Herz schlägt nur für dich – Eine Zeitreise durch die Geschichte des VfL Bochum 1848“ das Programm abrundet und die Fußballkulturtage NRW fulminant beendet.
Darüber hinaus erwarten die Besucher*innen Film- und Kinovorführungen, Lesungen, Diskussionen, Stadtrundgänge, Theater, Workshops und viele weitere Formate. Eingeladen sind nicht nur eingefleischte Fußballfans, sondern auch alle, die neugierig auf neue Perspektiven sind – ob mit oder ohne Stadionerfahrung.
Denn Fußball verbindet: als kulturelles Phänomen, als Ort des Dialogs und als Motor für zivilgesellschaftliches Engagement. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. (mehr …)

Zum neunten Mal lud die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Fanprojekte in NRW gemeinsam mit zehn Standorten zum Fancamp am Lippesee ein. Mit über 75 Teilnehmer*innen war das Camp in diesem Jahr so gut besucht wie selten zuvor – ein klares Zeichen für den hohen Bedarf, Jugendlichen in den Sommerferien eine kostengünstige und gleichzeitig attraktive Alternative zum Elternhaus zu bieten. Für viele der teilnehmenden Jugendlichen übrigens die einzige Urlaubsaktivität in den Sommerferien.
Von Beginn an wurden die Jugendlichen aktiv in die Tagesgestaltung einbezogen und konnten ihre Wünsche und Bedarfe in das Programm einfließen lassen. So entstand ein abwechslungsreiches Camp, das nicht nur „für“, sondern vor allem „mit“ den Jugendlichen gestaltet wurde. Über das morgendliche Sportangebot, als Schnippelhilfe, der Programmgestaltung oder der Reinigung, jeder konnte sich gemäß seiner individuellen Wünsche einbringen. (mehr …)


Seit Sommer 2022 besteht die Möglichkeit, diskriminierende Vorfälle im Fußball über das anonyme Meldeportal der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW) zu melden. Inzwischen sind über 2.500 Meldungen eingegangen – von Betroffenen selbst, unserem ehrenamtlichen Team, das Spielbeobachtungen im Amateur- wie im Profifußball durchführt, sowie von Allies und Bystander*innen.
Die Meldungen reichen von einfachen Hinweisen über detaillierte Vorfallsbeschreibungen bis hin zu Fällen, die psychosoziale Begleitung notwendig machten. Bei unseren bisherigen Publikationen haben wir bewusst auf eine Reproduktion dieser Inhalte verzichtet. Doch wir finden: Es ist an der Zeit, den Giftschrank zu öffnen – um besonders niederträchtige Vorfälle sichtbar zu machen und damit zu zeigen, wie wichtig die Dokumentation aus Betroffenenperspektive ist. (mehr …)

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Fanprojekte NRW sowie die 16 auf Landesebene angeschlossenen Standorte laden gemeinsam mit Datenpunks alle interessierten Fußballfans zu einem digitalen Vortrag mit dem Titel „Fankultur vor Überwachung schützen“ ein. Die Veranstaltung findet am
Montag, den 17. Februar 2025 um 19:00 Uhr, online statt.
Angesprochen sind sowohl Fans, die sich bereits mit dem Thema Überwachung auseinandersetzen, als auch jene, die präventiv ihre Freiheitsrechte schützen wollen – denn Überwachung kann jede*n treffen. (mehr …)