Vom 21. September bis zum 5. Oktober 2026 öffnen die 16 sozialpädagogischen Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Fachstelle der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW ihre Türen. Mit den landesweiten Fußballkulturtagen NRW entsteht auch in diesem Jahr wieder ein nicht kommerzielles Veranstaltungsangebot, das zeigen möchte, wie vielfältig Fußball abseits des eigentlichen Spielgeschehens ist.
Fußball ist weit mehr als 90 Minuten auf dem Platz. Er ist Kultur, Erinnerung, Biografie, Zugehörigkeit, Konfliktfeld und gesellschaftlicher Resonanzraum. Genau hier setzen die Fußballkulturtage NRW an. Sie rücken Themen in die Öffentlichkeit, die in der alltäglichen medialen Berichterstattung rund um den Fußball häufig wenig Beachtung finden, obwohl sie für Fans, Vereine und Gesellschaft von großer Bedeutung sind.
Das diesjährige Programm zeigt eindrucksvoll, wie breit dieser Ansatz gedacht ist. Zwischen dem 21. September und dem 5. Oktober finden in zahlreichen Städten Nordrhein-Westfalens Lesungen, Filmvorführungen, Workshops, Fachtage, Ausstellungen, Stadtrundgänge, Diskussionen, Vorträge und ein Kinderkino statt. Sogar ein Fußballspiel auf einem Lost Ground ist Teil des Programms.
Inhaltlich reicht das Spektrum von Fußballgeschichte und Erinnerungskultur über Diskriminierung, Rechtsextremismus und Nationalismus bis hin zu Religion, Fankultur und gesellschaftspolitischen Fragen. Mehrfach wird beispielsweise die Geschichte des Fußballs im Nationalsozialismus aufgegriffen. Auch jüdisches Leben im Fußball, Antisemitismus und unterschiedliche Formen von Diskriminierung spielen eine wichtige Rolle. In Düsseldorf beschäftigt sich ein eigener Workshop mit türkischem Ultranationalismus und Rechtsextremismus im Sportumfeld. Dafür kommen eigens Expert*innen der DSJ ins Haus der Jugend.
Einen besonderen Platz nehmen auch persönliche Lebensgeschichten ein. In Münster spricht Thomas Melchior über seine Erfahrungen mit Spielsucht, in Leverkusen erzählt Werner Hansch unter dem Titel „Einmal Hölle und zurück!“ von seiner eigenen Glücksspielbiografie. Gerade solche Veranstaltungen machen deutlich, dass Fußballkultur immer auch von den Menschen, ihren Erfahrungen und ihren Geschichten lebt.
Daneben geht es um rechtsoffene Jugendliche, Fans und Faninteressen, Fankultur in Syrien während des Krieges, Freundschaften zwischen deutschen und israelischen Fans, Frauen im Profifußball oder das Verhältnis von Fußball und Religion. Das Programm bewegt sich dabei bewusst zwischen Fussballmuseum, Stadion, Fanprojekt, Kino, Museum, Kneipe, Haus der Jugend und öffentlichem Raum. Diese Mischung aus drinnen und draußen, aus wissenschaftlichen, kulturellen und niedrigschwelligen Formaten macht den besonderen Charakter der Fußballkulturtage NRW aus.
Angesprochen sind ausdrücklich nicht nur organisierte oder langjährige Fußballfans. Die Fußballkulturtage NRW verstehen sich als offene Einladung an alle Menschen, die neugierig auf Fußball und seine gesellschaftliche Bedeutung sind. Kinder und Jugendliche sind ebenso willkommen wie Fachkräfte, Fans, Familien oder Menschen, die bislang kaum Berührungspunkte mit der Fankultur hatten.
Die sozialpädagogischen Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen, die Fachstelle der Landesarbeitsgemeinschaft sowie alle Partner freuen sich deshalb auf zahlreiche Besucher*innen, spannende Begegnungen und einen intensiven Austausch.
Wir heißen alle Interessierten herzlich willkommen und freuen uns auf zwei Wochen Fußballkultur in ganz Nordrhein-Westfalen.
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