Aktuelles

Fußball gilt als Triebfeder gesellschaftlicher Integration. Allerdings gehören auch Probleme wie Ausgrenzung zu seiner Realität. Diskriminierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind Alltag – auf dem Platz, am Spielfeldrand, in der Fankurve, im Vereinsheim oder online. Dennoch wird dieses Phänomen häufig verharmlost oder ignoriert, nicht selten überlagert vom Narrativ einer „integrativen Kraft“ des Sports. Der Autor setzt sich kritisch mit dieser Diskrepanz auseinander und arbeitet heraus, wie tief verankert Ausschlussmechanismen im Fußball sind. Er sensibilisiert für einzelne Diskriminierungsformen, hinterfragt routinierte Verständnisse und liefert alltagstaugliche Anstöße für Veränderung. Ein unverzichtbares Werk für alle, die Ausgrenzung entgegentreten und für mehr Gerechtigkeit in der Fußballkultur sorgen wollen.
Der Autor
Dr. David Johannes Berchem ist Projektleiter bei der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in Nordrhein-Westfalen (MeDiF-NRW) bei der LAG Fanprojekte NRW und lehrt an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.
Prädikat: Unbedingte Kaufempfehlung!
Inhaltsverzeichnis
Leseprobe

Die Arbeit der 71 bundesweiten sozialpädagogischen Fanprojekte steht für Qualität und Wirksamkeit. Das zeigen die Ergebnisse des Abschlussberichts der Jahre 2022-2025 des Qualitätssiegel nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
✓ 97 % der geprüften Fanprojekte erfüllten alle Muss-Kriterien zur Siegelvergabe und konnten zertifiziert werden. Mit Abschluss des 3. Durchgangs 2025 waren bei zwei Fanprojekten die Voraussetzungen zur Siegelvergabe noch nicht gegeben, dort muss noch nachgearbeitet werden.
✓ Die Höhe der jährlich verfügbaren finanziellen Etats variiert zwischen den Fanprojekten erheblich. Zudem hat sie sich zwar insgesamt gesteigert, zugleich haben sich aber auch die Personalkostenanteile deutlich erhöht: Während 2019 nur 7 % der Fanprojekte einen Personalkostenanteil von 80 % und mehr verzeichneten, gilt dies aktuell für 38 %. Dies schränkt den finanziellen Spielraum für Aktivitäten und Projekte deutlich ein.
✓ Die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter*innen der Fanprojekte hat sich leicht erhöht. Dennoch erachten nur jeweils etwas weniger als die Hälfte der Fanprojekte und der Träger die personellen Ressourcen für ausreichend, um den vielfältigen und zunehmenden Aufgaben der Fanprojekte adäquat gerecht werden zu können.
✓ Die räumliche und technische Ausstattung der Fanprojekte ist insgesamt zufriedenstellend bis sehr gut.
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Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Fanprojekte NRW ist die berufspolitische Interessenvertretung der 16 sozialpädagogischen Fanprojekte im Sportland NRW und wirkt seit Jahren als verbindendes Element zwischen Fanprojekten, Vereinen, Verbänden, kommunalen Trägern, Sicherheitsbehörden und Politik sowie den Bedarfen von Fans. Auf Grundlage eines anerkannten fachlichen Profils (hinterlegt im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit) erbringen Fanprojekte Leistungen der Jugendhilfe (SGB VIII): Gewalt- und Extremismus-Prävention sind zwei zentrale Säulen, Bildungsarbeit, Vermittlung bei Konflikten sowie viele weitere methodische Angebote tragen nachhaltig zu einem sicheren Stadionerlebnis für junge Menschen und die gesamte Fußballfamilie bei.
Unrühmlicher Start der Debatte
Besonders irritiert hat die öffentliche Kritik des sächsischen Innenministers Armin Schuster an der Fanprojektarbeit. Dieser formulierte im Rahmen der Innenministerkonferenz im Oktober 2024 öffentlich die Frage, „Sind unsere Fanprojekte … eigentlich zielsicher angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, die wir haben? Da haben wir … gewisse Zweifel, ob die noch à jour sind.“ [1] Gleichzeitig sprach er sich für eine förmliche Wirksamkeitsanalyse aus. [2] Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat zu Recht darauf hingewiesen, dass diese Behauptungen ignorieren, dass Fanprojekte seit vielen Jahren regelmäßig evaluiert werden und die Wirksamkeit der sozialpädagogischen Arbeit längst bestätigt ist.[3] (mehr …)
Call for Participation
Fachtag „Soccer Science Day – Antisemitismus im Fußball“
23.Februar 2026 // Deutsches Fußballmuseum Dortmund
Der zweite Soccer Science Day findet erneut im Rahmen des internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar im deutschen Fußball statt. Im Fußball wird dieser Erinnerungstag von zahlreichen Akteur*innen, u.a. der Initiative “!Nie Wieder”, getragen und ist seit fast 20 Jahren etabliert.
Wir nehmen das zum Anlass, um über Antisemitismus im Fußball zu sprechen, denn Antisemitismus äußert sich hier, ebenso wie gesamtgesellschaftlich, in vielen Facetten: durch offene Feindseligkeit, durch codierte Sprache in Form von Verschwörungserzählungen, Online-Hetze, gewalttätige Vorfälle, Sachbeschädigungen oder strukturelle Ausgrenzung. Der Fußball als gesellschaftliches Feld ist davon ebenso betroffen wie beteiligt – auf den Rängen, in Vereinsstrukturen, im Alltag von Fans oder im digitalen Raum. Allzu oft werden diese Dynamiken verharmlost oder übersehen.
Mit dem Fachtag „Antisemitismus im Fußball“ am 23. Februar 2026 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund möchten wir einen Raum für Austausch, Analyse und Zukunftsperspektiven schaffen. Eingeladen sind Experts by Experience, Engagierte und Praktiker*innen aus der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit, Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Initiativen, Fanprojekte und Fanbetreuungen der Vereine sowie alle Interessierten.
Ziel des Fachtags ist ein interdisziplinärer Wissenstransfer, die Stärkung bundesweiter Netzwerke, die Entwicklung tragfähiger Strategien zur Prävention und die Formulierung neuer Forschungsfragen – orientiert an den Bedarfen von Betroffenen und Praktiker*innen.
Die Beiträge werden in thematisch gebündelten Panels präsentiert. Vorgesehen sind 20- bis 25-minütige Vorträge, die im Anschluss im Plenum diskutiert werden. Zudem wird eine Publikation angestrebt, um die Ergebnisse langfristig zu sichern und der (Fach-)Öffentlichkeit bereitzustellen.
Gesucht werden Beiträge zu folgenden Themenfeldern:
- Ergebnisse oder Ansätze empirischer oder theoretischer Forschung zu Antisemitismus im Fußball
- Verschränkung von Antisemitismus und Diskriminierung (bspw. antimuslimischem Rassismus, Sexismus etc.)
- Intersektionale Zugänge zu Präventionsansätzen im Fußballumfeld
- Praxisprojekte/-erfahrung aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit – in Fankurven, Schule, Jugendarbeit oder Vereinskontexten
- Erinnerungsarbeit und (historisch-)politische Bildung mit Fußballbezug
- Entwicklungen und Dynamiken im digitalen Raum
- Strategische Vernetzungsansätze zur nachhaltigen Bekämpfung von Antisemitismus im Sport
- Intervention bei Antisemitismus im (Fußball-)alltag
Auch Abstracts rund um weitere Themen im Sport – insbesondere Fußball – und Antisemitismus sind ausdrücklich erwünscht.
Wir freuen uns über die Einreichung kurzer, aussagekräftiger Abstracts (max. 300 Wörter, eine Word-Normseite im PDF-Format) bis zum 31. Oktober 2025 an:
Fachtag@lag-fanprojekte-nrw.de
Veranstaltende:
Deutsches Fußballmuseum, ZWEITZEUGEN e.V., Zusammen1, LAG Fanprojekte NRW
Gemeinsam möchten wir dazu beitragen, Antisemitismus im Fußball nachhaltig entgegenzutreten – durch fundiertes Wissen, vernetzte Praxis und hörbare Stimmen.
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Zum zehnten Mal laden die sozialpädagogischen Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Fachstelle der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) herzlich zu den landesweiten Fußballkulturtagen NRW ein. Die Veranstaltungsreihe hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Fußball- und Kulturlandschaft entwickelt und zeigt eindrucksvoll: Fußball ist weit mehr als 90 Minuten auf dem Platz.
Die Fußballkulturtage NRW eröffnen Räume für Begegnung, Austausch und Bildung. Im Mittelpunkt stehen Themen, die im medialen Alltag des Fußballs häufig unterrepräsentiert bleiben – und die dennoch für Fans, Interessierte und die gesamte Gesellschaft von Bedeutung sind.
Das Programm ist so vielseitig wie der Fußball selbst. So lädt am 5. Oktober das Kinderkino im Metropolis Bochum mit dem Film „Zu weit weg – aber Freunde für immer“ junge und junggebliebene Besucher*innen ein. Am 6. Oktober stehen gleich zwei besondere Veranstaltungen auf dem Plan: Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah und andere Gäste sprechen in der Rotunde in Bochum über das Thema „Kritische Männlichkeit“, während zeitgleich in Gelsenkirchen die Ausstellung „Shout it out loud – Fußball & Musik“ mit einem tollem Begleitprogramm eröffnet wird. Am 19. Oktober folgt im Kunstbunker Bochum die Vernissage der Wanderausstellung „Stabil bleiben – gegen Diskriminierung im Fußball“, bevor am 20. Oktober das Theaterstück „Mein Herz schlägt nur für dich – Eine Zeitreise durch die Geschichte des VfL Bochum 1848“ das Programm abrundet und die Fußballkulturtage NRW fulminant beendet.
Darüber hinaus erwarten die Besucher*innen Film- und Kinovorführungen, Lesungen, Diskussionen, Stadtrundgänge, Theater, Workshops und viele weitere Formate. Eingeladen sind nicht nur eingefleischte Fußballfans, sondern auch alle, die neugierig auf neue Perspektiven sind – ob mit oder ohne Stadionerfahrung.
Denn Fußball verbindet: als kulturelles Phänomen, als Ort des Dialogs und als Motor für zivilgesellschaftliches Engagement. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. (mehr …)

Zum neunten Mal lud die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Fanprojekte in NRW gemeinsam mit zehn Standorten zum Fancamp am Lippesee ein. Mit über 75 Teilnehmer*innen war das Camp in diesem Jahr so gut besucht wie selten zuvor – ein klares Zeichen für den hohen Bedarf, Jugendlichen in den Sommerferien eine kostengünstige und gleichzeitig attraktive Alternative zum Elternhaus zu bieten. Für viele der teilnehmenden Jugendlichen übrigens die einzige Urlaubsaktivität in den Sommerferien.
Von Beginn an wurden die Jugendlichen aktiv in die Tagesgestaltung einbezogen und konnten ihre Wünsche und Bedarfe in das Programm einfließen lassen. So entstand ein abwechslungsreiches Camp, das nicht nur „für“, sondern vor allem „mit“ den Jugendlichen gestaltet wurde. Über das morgendliche Sportangebot, als Schnippelhilfe, der Programmgestaltung oder der Reinigung, jeder konnte sich gemäß seiner individuellen Wünsche einbringen. (mehr …)


Seit Sommer 2022 besteht die Möglichkeit, diskriminierende Vorfälle im Fußball über das anonyme Meldeportal der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW) zu melden. Inzwischen sind über 2.500 Meldungen eingegangen – von Betroffenen selbst, unserem ehrenamtlichen Team, das Spielbeobachtungen im Amateur- wie im Profifußball durchführt, sowie von Allies und Bystander*innen.
Die Meldungen reichen von einfachen Hinweisen über detaillierte Vorfallsbeschreibungen bis hin zu Fällen, die psychosoziale Begleitung notwendig machten. Bei unseren bisherigen Publikationen haben wir bewusst auf eine Reproduktion dieser Inhalte verzichtet. Doch wir finden: Es ist an der Zeit, den Giftschrank zu öffnen – um besonders niederträchtige Vorfälle sichtbar zu machen und damit zu zeigen, wie wichtig die Dokumentation aus Betroffenenperspektive ist. (mehr …)